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Bayerischer Wald
18. Mai 2012, 12:31
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Artikel-Schlagworte: „Brauchtum“

Weihnachtsmarkt Waldkirchen

Bald ist es wieder soweit: Der Weihnachtsmarkt Waldkirchen öffnet seine Pforten. Die Hütten sind aufgebaut und werden von ihren Mietern liebevoll eingeräumt und dekoriert. In siebzehn Hütten gibt es alles was das Herz – und der Magen – begehrt. Auch der große Weihnachtsbaum steht bereit und wartet nur noch auf Schnee.
Am 26.11.09 um 16.30 Uhr eröffnet der Weihnachtsengel mit seinem Gefolge die Marktweihnacht.

Marktzeiten: Täglich geöffnet

  • Mo-Mi: 10 – 18 Uhr
  • Do-Fr:  10 – 19 Uhr
  • Sa:      10 – 18 Uhr
  • So:      13 – 18 Uhr

Das Besondere: Der Weihnachtsmarkt schließt erst an Silvester nach der Abschlussfeier um 10 Uhr seine Pforten.

Wer mal schauen möchte: Webcam Waldkirchen

Übrigens: Dort hinten, in den Bergen, mit den vier Zwergen, dort lebe ich.

Totenbretter im Bayerischen Wald

Faszinierend finde ich den Brauch der Totenbretter, die man immer noch im Bayerischen Wald findet. Ich habe sie allerdings noch nicht gefunden und nur im Museumsdorf bewundern können.
Früher, als es noch keine Särge und auch keine Leichenhäuser gab, wurden die Toten in ein Leinentuch gewickelt und auf ein Brett gelegt. Bis zum Begräbnis bahrte man den Leichnam so in der Stube auf. Das konnte im Winter, wenn alles tief verschneit war, auch Wochen oder sogar Monate dauern. Wobei der Aufenthalt des Brettes mitsamt Leichnam sicher an einen anderen Ort gewechselt hatte.
Man beerdigte den Leichnam mitsamt des Brettes oder schob ihn vom Brett hinunter ins Grab und bewahrte das Brett entweder für weitere Todesfälle auf, verbrannte es oder arbeitete es als Erinnerung um. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Gestaltung des Brettes. Es wurde mehr und mehr verziert und mit Inschrift versehen.
Totenbretter
Ein Volksglaube erzählt, dass die Seelen der Toten erst ihre Ruhe finden, wenn das Totenbrett gänzlich zerfallen oder die Inschrift nicht mehr zu lesen ist. Darum wählte man bewusst Hölzer, die schnell verrotten und stellte das Gedenkbrett an Stellen auf, an denen es Wind und Wetter ausgesetzt war.
Nach Einführung der Sargbestattung hielt man an der Tradition der Gedenkbretter fest, auch wenn die nicht mehr zur Aufbewahrung des Leichnams dienten. Sie wurden an Kirchwegen aufgestellt, aber auch an Kapellen, Backöfen und Getreidekästen, und dienten somit als Erinnerung an den Verstorbenen.

Die kleine Kapelle im Wald

Diese Kapelle hat mein Vermieter für seine Tochter gebaut.
Sie starb 2008 mit nur sechzehn Jahren an ihrer Krankheit, die sie ihr ganzes kurzes Leben lang begleitete.

Kapelle

Brautaufwecken

Bräuche sind eine feine Sache und es gefällt mir, wenn sie aufrechterhalten werden.
Nur wenn man es übertreibt, wie heute Morgen, finde ich sie einfach nur lästig, wenn man ihnen ausgeliefert ist, ohne rechten Anteil an ihnen nehmen zu können.
Eine Tradition hier im Bayerischen Wald ist das Brautaufwecken. Dazu finden sich ein paar Schützen mit ihren Böllern vor dem Haus der Braut ein und wecken sie mit krachenden Böllerschüssen auf. Das allerdings schon morgens um fünf Uhr.
Somit endete meine Nacht heute in aller Herrgottsfrühe. Nicht weiter schlimm, dachte ich, schläfst du halt wieder ein. Leider ging das nicht, weil die Böller alle paar Minuten krachten, dass die Wände wackelten. Das ging eine knappe Stunde so. Was die Schützen in den Pausen taten, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach dem Wecken gibt es wohl ein Frühstück für die Aufwecker und Aufgeweckte.

Ich haderte mit mir, ob ich aufstehen oder im Bett liegen bleiben wollte. Plötzlich hörte ich ein lang gezogenes Tuten. Eine Sirene? Nein, die klingt anders. Das Tuten ging ins Tut Tut Tut über. Telefon? Ach, Telefon!
Telefon Ich habe im Büro an meiner neuen DSL-Geschichte vorläufig ein uraltes Telefon angeschlossen. So richtig eines mit Tasten und Schnur, mit dem man nicht im Haus herumlaufen kann. Und da hat sich doch der arme kleine Pauli vor dem Krach erschreckt und ist über die Tastatur gelatscht und hat den Lautsprecher eingeschaltet.
Wer von meinen Hausbewohnern bisher noch nicht wach war, der war es spätestens jetzt und alle Pfoten rannten aufgescheucht durch die Gegend.

Um sechs Uhr herrschte endlich Ruhe. Ich dachte an die Braut und ob sie wohl noch ein bisschen schlafen könnte oder den Tag durchmachen muss. Ein wenig bin ich eingeschlummert – bis gegen sechs Uhr dreißig wieder ein paar Böllerschüsse losgingen. Ob die Braut wohl wieder eingeschlafen war? Oder war es gar eine zweite Braut, die geweckt werden musste? Ich weiß es nicht.
Ein weiterer Brauch ist es, hupend zur Kirche und wieder zurück zu fahren. Wobei ich das allerdings unter übler Unsitte einordnen würde. Aber vielleicht haben heute mehrere Paare geheiratet und so prallte aller Lärm geballt auf die Bevölkerung nieder.
An dieser Stelle: Alles Gute allen Brautpaaren, die heute in den Hafen der Ehe eingelaufen sind.

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